Alte Schätzchen
| Eigentlich wollte ich nicht ins Sammeln einsteigen .... aber einen Versuch wagen. Ich bot also auf ein Mikroskop mit Holzkoffer Revue 1600. Details? wurden nicht erwähnt. Zu sehen war ein monokulares Durchlichtmikroskop unbestimmten Altes (vermutlich 70er Jahre) mit Kreuztisch, vier Objektiven, einem ordentlichen Kondensor und integrierter Beleuchtung im Fuß. | ||
![]() |
||
| Als das Paket kam, war die Überraschung groß: etwas
irritiert, denn im Paket wackelten und klapperten irgendwelche Teile,
schritt ich zur Tat. Als erstes flog mir ein ominöses, mit Kork zugestopftes
Fläschen mit gelbflüssigem Inhalt entgegen: Kanadabalsam - wie ich später
anhand des Geruchs feststellte. Der "Rest" schien von außen betrachtet
einigermaßen funktionstüchtig. Erstes Problem: die Beleuchtung.
Standardmäßig war das Teil mit der berühmt-berüchtigten 6V/15 Watt Glühlampe
ausgerüstet: der Standardbestückung der meisten Mikros seit Anfang der 50er
Jahre. Natürlich hatte ich keinen 6V-Trafo, aber mein Leitz Trafo (regelbar
bis 12V) sollte es tun - sofern ich ihn nicht bis zum Anschlag hochjubelte.
Resultat (Bottom up-Check): Beleuchtung funktionierte, Leuchtfeldblende
vorhanden und funktionierte auch; Großfeldlinse unterhalb des Kondensors
ausklappbar, unbeschädigt; Irisblende im Kondensor (mit einer numerischen
Apertur von 1,30 !!!) ebenfalls funktionstüchtig. ABER: der Kondensor ließ
sich nicht mehr verstellen. Zaghafter Versuch mit der Zange: abgebrochen
(also nicht die Zange, aber den Versuch); Kondensor eingesprüht und
gewartet: und er bewegte sich, zwar schwergängig, aber immerhin. Jetzt die
ganz große Überraschung: für ein derartiges Gerät schon ein ungewöhnliches
Feature: der Kondensor ist auch in der Horizontalen (links/rechts)
kalibrierbar - somit ist Köhlersche Beleuchtung wie bei den "großen" Geräten
einstellbar. Kreuztisch funktioniert ebenfalls ohne ruckel, samtweich wie
auch der generelle Trieb mit Mikrometerschraube. Leider war kein Okular
dabei, ein altes Zeiss, aber auch ein neueres Euromex Großfeldokular (10x
ca. 12 €) taten es allemal: selbst die Objektive (4/0,1; 10/0.25; 40/0.65 u.
100/1.25) sind funktionstüchtig (später mal vergleichsweise auf Orthoplan
geschraubt und wenig Unterschied zu den Original-Leitz-Objektiven
festgestellt). Mikrofotografieren ließ sich mit dem guten Stück auch (s.
Galerie). Also mit anderen Worten: für einen
Preis, wo man nicht einmal ein anständiges Objektiv bekommt (und noch nicht
einmal einen WW- oder Televorsatz für die Digicam) bekam ich ein (relativ)
funktionstüchtiges Mikro, mit dem sich erste, ernstzunehmende
Fotoexperimente durchaus durchführen lassen.
|
||
| ... und wie es weiter ging ... Stand: 20.2. Das Schloss des Holzkastens war defekt, habe ich heute gegen Magnetkontakte (Kosten: 1,60 €) ausgetauscht. Die 6V/15 Watt Beleuchtung wurde ersetzt durch ein Halogeneinrichtung 12V/20 W. Der Austausch ließ sich einfach bewerkstelligen: 1m-Alurohr 25mm Durchmesser im Baumarkt für 6,30 € auf eine vergleichbare Länge zugeschnitten; das eine Ende mit einer Unterlegscheibe verklebt (gleichzeitig Durchlaß für Kabel); ins andere Ende kam ein Halogeneinbaufassung (ca. 1 €, z.B. bei conrad electronic), die ich mit einer schnell härtenden Knetmasse von Pattex festmachte. Was mir noch fehlt, wäre ein Binokulartubus (ein alter von Zeiss wäre passend, zumal auch die mechanische Tubuslänge von 160mm kompatibel ist). Quod erat demonstrandum: der semiprofessionelle Einstieg in die Mikrofotografie gelingt auch mit wenig Geld |
||